Den Alltag meistern. 
Was ist Ergotherapie?

Ergotherapeuten/innen helfen und begleiten Menschen jeden Alters, die durch Krankheit, Behinderung oder Alter in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt sind und Schwierigkeiten bei alltäglichen Aufgaben haben. Ergotherapie zielt darauf ab, die Selbständigkeit der betroffenen Menschen zu erhöhen, sodass der Alltag in Beruf, Schule und Familie wieder so unabhängig wie möglich bewältigt werden kann.

Wie erhält man Ergotherapie?

Die Ergotherapie ist ein anerkanntes Heilmittel und damit eine Vertragsleistung der gesetzlichen Krankenkassen.
Die Verordnung für eine ambulante Ergotherapie stellt der behandelnde Arzt, bzw. die behandelnde Ärztin aus, pro Verordnung muss in der Regel eine Zuzahlung von 10 % selbst getragen werden. Für Kinder muss keine Zuzahlung geleistet werden.

Private Krankenkassen übernehmen die Kosten je nach individueller Vertragsvereinbarung.

Die erste Verordnung umfasst üblicherweise zehn Behandlungseinheiten. Erfolgt danach eine Weiterbehandlung, so werden in der Regel erneut zehn Therapieeinheiten verordnet. Eine Therapieeinheit beträgt je nach durchgeführter Maßnahme zwischen 30 und 60 Minuten. Die Frequenz der Behandlungstermine ist abhängig von der Situation des Betroffenen. Bei medizinischer Notwendigkeit, wenn ein/e Klient/in also nicht in die Praxis kommen kann, findet Ergotherapie auch als Hausbesuch statt.

Qualität der Behandlung

Sie haben bei uns in der Regel eine feste Ergotherapeutin oder Ergotherapeuten als Behandler/in. Nach einem sorgfältigen Aufnahmegespräch und entsprechender ergotherapeutischer Befundung werden Sie in die Planung Ihrer Therapie oder die Ihres Kindes einbezogen.

  • Gemeinsam mit Ihnen wird Ziel und Weg der Behandlung festgelegt, die Art der Behandlung wird Ihnen erklärt.
  • Fragen zu Ihrer Behandlung oder zu der Ihres Kindes werden Ihnen umfassend und für Sie nachvollziehbar erläutert.
  • Die persönliche Befindlichkeit wird in der aktuellen Behandlung berücksichtigt.
  • Sie werden mit Ihren Problemen ernst genommen
  • Kurzum: Sie sollen sich bei uns wohl fühlen


 

Individuelle Begleitung 

Unsere Fachrichtungen im Überblick

Ergotherapie für Kinder

Ergotherapie in der Pädiatrie wendet sich an Kinder vom Säuglings- bis ins Jugendlichenalter, wenn ihre Entwicklung verzögert ist, sie in ihrer Selbständigkeit und Handlungsfähigkeit eingeschränkt oder von Behinderung bedroht oder betroffen sind. Die Ursachen hierfür sind z. B. angeborene oder früherworbene Störungen des Bewegungsablaufs infolge von Hirnschädigungen oder Entwicklungsstörungen, Sinnesbehinderungen, Störungen der Wahrnehmungsverarbeitung, Störungen der Sozialentwicklung und Kommunikationsfähigkeit sowie psychische Erkrankungen und geistige Behinderungen.

Übergeordnetes Ziel ist immer größtmögliche Handlungskompetenz und im Zusammenhang damit die größtmögliche Selbständigkeit des Kindes.
Dazu gehört z. B.

  • Verbesserung der Bewegungsabläufe, der Tonusregulation und der Koordination
  • Umsetzung und Integration von Sinneswahrnehmungen/sensorische Integration und die Verbesserung der Körperwahrnehmung und des Körperschemas
  • Entwicklung und Verbesserung von kognitiven Fähigkeiten wie Konzentration und Ausdauer
  • Entwicklung und Verbesserung von sozio-emotionalen Kompetenzen, u. a. in den Bereichen der emotionalen Steuerung, der Affekte, der Motivation und der Kommunikation
  • Integration des Kindes in Familie und Umwelt
  • Kompensation bleibender Defizite, u. a. auch durch Hilfsmittel

Grundsätzlich sollen alle in der Behandlung angebotenen Aktivitäten für das Kind in einem sinnvollen Handlungszusammenhang stehen. Der tatsächliche Entwicklungsstand des Kindes/Jugendlichen ist die Grundlage aller Maßnahmen. Dafür müssen die geistigen, emotionalen und körperlichen Fähigkeiten und Defizite des Kindes erfasst werden. Die Beratung der Eltern und die intensive Zusammenarbeit mit ihnen sowie der Austausch mit anderen, das Kind betreuenden Personen, sind unabdingbarer Bestandteil der Behandlung.


 

Ergotherapie in der Geriatrie

Ergotherapie in der Geriatrie wird bestimmt durch Erkrankungen, die durch den Alterungsprozess bedingt, einer ständigen Veränderung unterworfen sind. Die typischen Krankheitsbilder sind neurologische Erkrankungen, wie Schlaganfall, Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, dementielle Erkrankungen, wie z.B. Morbus Alzheimer, degenerative und rheumatische Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems, Zustand nach Frakturen, Amputationen und Tumorentfernung, Depression, Psychose und Neurose.

Mehrfacherkrankungen (Multimorbidität), akute und chronische Krankheitsbilder und äußere Einflüsse, wie die Wohnsituation und Veränderungen im sozialen Umfeld bestimmen die Maßnahmen. Durch altersbedingte physiologische Funktionseinschränkungen befindet sich der alte Mensch in einem labilen gesundheitlichen Gleichgewicht. Jede zusätzliche Erkrankung ist somit eine massive physische, psychische und soziale Belastung. Ergotherapie muss sich in der Geriatrie diesen Besonderheiten stellen. Um die größtmögliche Selbständigkeit im Alltag zu erhalten, ist es notwendig, verloren gegangene Funktionen wieder aufzubauen und vorhandene Fähigkeiten zu erhalten. Die ergotherapeutische Behandlung in diesem Fachbereich beinhaltet die:

  • Förderung der motorisch-funktionellen Fähigkeiten für Mobilität und Geschicklichkeit
  • Aktivierung kognitiver und neuropsychologischer Fähigkeiten, z. B. bessere Orientierung
  • Anleitung zur Selbsthilfe beim Essen und Trinken, bei Körperpflege und Bekleidung, Fortbewegung sowie Kommunikation für größtmögliche Selbständigkeit
  • Beratung - auch der Angehörigen - bei Wohnraum- und Hilfsmittelanpassung
  • Begleitung bei Erfahrungen von Veränderungen und Verlust zum Erhalt der psychischen Stabilität

Erfahrungen mit schwerster Pflegebedürftigkeit, mit Sterben und Tod gehören zum Berufsalltag der geriatrischen Ergotherapie und verlangen eine professionelle Reflexion von Grenzen und Möglichkeiten der Therapie. Die Berücksichtigung der spezifischen therapeutischen Möglichkeiten und die Einschätzung erreichbarer Therapieziele ist für den Erfolg der Arbeit mit dem älteren Patienten/ der älteren Patientin maßgeblich.


 

Ergotherapie in der Orthopädie

Wir behandeln in diesem Fachgebiet Klienten/ innen aller Altersstufen mit Störungen aus den Bereichen Orthopädie, Traumatologie und Rheumatologie. Dies sind z. B. angeborene Fehlbildungen des Rumpfes, der Arme und Hände, Abnutzungserscheinungen und Erkrankungen der Wirbelsäule und anderer großer Gelenke, entzündliche und degenerative Gelenkerkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis, Verletzungen der Knochen, Muskeln und Sehnen und der Nerven, Amputationen, Lähmungen von Nerven vor allem der Arme und des Rumpfes, Tumoren der Knochen, Muskeln oder Nerven.

Die Beweglichkeit soll wieder hergestellt, die Muskulatur gekräftigt und die Geschicklichkeit und Koordination beider Hände und der einzelnen Finger normalisiert werden. In der Ergotherapie soll der Patient lernen, seine Kräfte zu nutzen und durch veränderte Verhaltensweisen und Arbeitsabläufe eine bleibende Behinderung zu kompensieren. Dieses kann auch durch Training mit speziellen Hilfsmitteln erfolgen.

Eine ergotherapeutische Behandlung in diesem Fachbereich beinhaltet z. B.:

  • Übungen zur Beweglichkeit, Ausdauer, Muskelkraft, Belastbarkeit und Sensibilität
  • Training von Alltagsaktivitäten im Hinblick auf die persönliche, häusliche und berufliche Selbständigkeit
  • Beratung und Training zum Gelenkschutz
  • Abhärtung von Amputationsstümpfen und Training mit der Prothese
  • Beratung bzgl. geeigneter Hilfsmittel und Änderungen im häuslichen und beruflichen Umfeld, ggf. Herstellung und Anpassung von Hilfsmitteln

Körperliche Folgen der Grundkrankheit werden durch ergotherapeutische Maßnahmen gemildert, vorhandene Fähigkeiten gestärkt. Das Ziel ist, ein Maximum an Lebensqualität zu sichern und eine größtmögliche Selbständigkeit in allen Bereichen der persönlichen, häuslichen und beruflichen Lebensführung zu erreichen.


 

Ergotherapie in der Neurologie

In der Neurologie werden vor allem Erkrankungen des zentralen Nervensystems z.B. Schlaganfall, Schädel- Hirn- Verletzungen, Querschnittslähmungen oder Multiple Sklerose behandelt. Diese weisen in der Regel sehr komplexe Störungsbilder auf, die sich vergleichsweise langsam und nur selten vollständig zurückbilden.

Eine ergotherapeutische Behandlung in diesem Fachbereich beinhaltet z.B.:

  • Hemmung und Abbau pathologischer Haltungs- und Bewegungsmuster und Bahnen normaler Bewegungen
  • Koordination, Umsetzung und Integration von Sinneswahrnehmungen
  • Verbesserung der zentral bedingten Störungen von Grob- und Feinmotorik zur Stabilisierung sensomotorischer und perzeptiver Funktionen einschl. der Verbesserung von Gleichgewichtsfunktionen
  • Verbesserung von neuropsychologischen Defiziten und Einschränkungen der kognitiven Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Konzentration, Merkfähigkeit, Gedächtnis oder Lese- Sinn- Verständnis, das Nachvollziehen von Teilschritten einer Handlung, das Erkennen von Gegenständen oder das Erfassen von Räumen, Zeit und Personen
  • Erlernen von Ersatzfunktionen
  • Entwicklung und Verbesserung der sozio- emotionalen Fähigkeiten u.a. in den Bereichen der emotionalen Steuerung, der Affekte oder der Kommunikation
  • Training von Alltagsaktivitäten im Hinblick auf die persönliche, häusliche und berufliche Selbständigkeit
  • Beratung bzgl. Geeigneter Hilfsmittel und Änderungen im häuslichen und beruflichen Umfeld, ggf. Herstellung und Anpassung von Hilsmitteln

Die Behandlung gilt als abgeschlossen, wenn die vereinbarten Behandlungsziele erreicht wurden und der Patient bestimmte Handlungskompetenzen erworben hat, auch ohne dass alle früheren Fertigkeiten wieder erlangt wurden.


 

tiergestützte Therapie

Unser ausgebildeter Therapiehund Monte ist an einem Tag in der Woche bei uns. Er ist durch seine Anwesenheit in der Lage, das Wohlbefinden des Menschen zu steigern. Die Atmosphäre in der Therapie und somit auch die Therapiebereitschaft / Motivation der/des Klienten/ in kann durch den Hund positiv beeinflusst werden. Die Tatsache, dass der Hund dem Menschen in seinem Umfeld wertfrei und unvoreingenommen begegnet, stärkt das Selbstbewusstsein und fördert die Persönlichkeitsentwicklung der Klienten/ in.

Folgende Ziele können durch den Einsatz von Monte verfolgt werden: 

Förderung von Kompetenzen im Praktischen Umgang mit Lebewesen

Im Praxisalltag lernen die Klienten/ innen den richtigen Umgang mit dem Hund und seine Bedürfnisse kennen. Durch das aktive Einbinden der Klienten/ innen in die Versorgung und Pflege des Hundes sollen sie ein Verantwortungsgefühl entwickeln. Sie erfahren, wie Hunde ihre Gefühle ausdrücken und lernen die Körpersprache des Hundes zu deuten. Um dem Hund gerecht zu werden, müssen Regeln eingehalten und Dienste verantwortungsbewusst ausgeführt werden. Es entwickelt sich bei den Klienten/ innen ein Regelbewusstsein. In der Interaktion mit dem Hund werden den Klienten/ innen unterschiedliche Körpererfahrungen zugänglich gemacht. Sie trainieren ihre verbale und nonverbale Kommunikation, indem sie lernen dem Hund eindeutige Signale und Sichtzeichen zu geben. Das Tempo und die Intensität des Kontaktes bestimmt jede/r Klient/ in selbst und macht auf diese Weise zahlreiche positive Erfahrungen.

Förderung der sozialen und emotionalen Kompetenz

Der Einsatz eines Therapiehundes kann sich nachweislich positiv auf das Selbstwertgefühl der Klienten/ innen auswirken, da er jedem ein Gefühl von Nähe, Sicherheit und Geborgenheit vermittelt. Ein weiteres Ziel ist es, Menschen dafür zu sensibilisieren, Tiere als fühlende Mitgeschöpfe zu begreifen. Durch den Kontakt zum Hund werden negative Emotionen wie Trauer, Ängste, Aggressionen oder Stress abgebaut. Klienten/ innen mit Schwierigkeiten im emotional-sozialen Bereich lernen über den Umgang mit einem Therapiehund Rücksichtnahme, Sensibilität und sozial angemessene Formen der Selbstbehauptung. Dies geschieht durch die direkten und unmittelbaren Reaktionen des Hundes. Hunde bieten vor allem Kindern als Rudeltiere echte Kommunikation an. Durch das gespiegelte Verhalten erleben sie eine entsprechende Reaktion auf ihr eigenes Handeln. Agieren sie aggressiv, wird sich der Hund zurückziehen. Dennoch können sie gleichzeitig erfahren, dass ihnen nichts nachgetragen wird. Bei adäquatem, nicht aggressivem Verhalten erhalten die Klienten/ innen eine entsprechend positive Reaktion. Die so erlernten Verhaltensregeln lassen sich auch auf andere Situationen transferieren. Durch die aufgebaute Beziehung können die Kommunikation gefördert und empathisches Miteinander gelernt und erlebt werden. Das genaue Beobachten von Mimik und Körpersprache kann auch auf andere Sozialkontakte übertragen werden und diese positiv beeinflussen. Auch ängstliche und zurückhaltende Klienten/ innen können durch das ruhige und unaufdringliche Verhalten eines Therapiehundes Kontakt herstellen und positive Erfahrungen sammeln. Das Selbstwertgefühl der Klienten/ innen steigert sich durch die Zuwendung des Hundes und sein Befolgen von Signalen, da sie sich uneingeschränkt in ihrer Persönlichkeit angenommen fühlen und lernen eigene Anliegen mit der notwendigen Entschlossenheit zu vertreten.

Förderung der Motorik

Durch gezielte Arbeit mit dem Therapiehund können motorische Fähigkeiten verbessert oder neu erlernt werden. So können Klienten/ innen dazu angeleitet werden einen Ball zu werfen oder ein Leckerli zu verstecken und so ihre Fein- sowie Grobmotorik einsetzen. Der Therapiehund ist bei vielen motorischen Übungen in der Therapie ein Motivator, für welchen es sich aus Klientensicht lohnt, ein ggf. neues oder verlerntes Bewegungsmuster wieder zu erlernen und aufzubauen. 

Klienten/ innen können dazu bewegt werden ein Körperteil zu bewegen, weil sie den Hund streicheln, einen Schritt auf ihn zu machen sollen oder einen gemeinsamer Arbeitsauftrag bewältigen wollen (z.B. Übungen für die Aktivität – Wäsche aufhängen, Treppensteigen etc…). 

Die Mobilisierung des Körpers kann ein langer, mühsamer Prozess sein, der von Wiederholungen und Schmerzen dominiert wird. Manchmal lässt sich der/ die Klient/ in nur schwer dazu bringen die vielen Bewegungen immer wieder auszuführen und durchzuhalten.

Ein Therapiehund kann die Alltagsroutine lebendiger machen: Der Hund kümmert sich um seine Klienten/ innen, wedelt mit dem Schwanz oder schmeißt sich auf den Rücken, um Streicheleinheiten einzufordern. Schon ist der ganze Raum von Freude erfüllt. Die darauf aufbauende Therapie wird von dem/ der Klienten/ in anschließend nicht mehr als Arbeit, sondern als ein glückliches Erlebnis empfunden.

Der Einsatz des Hundes geschieht nach strengen hygiene- und tierschutzrechtlichen Vorschriften. Sollten Allergien oder Ängste vorliegen, bitten wir um kurze Rückmeldung, damit entsprechende Maßnahmen ergriffen werden können.


 

Ergotherapie bei chronischen Schmerzen

Ergotherapie bei (chronischen) Schmerzen

Ergotherapie kann Teil eines multimodalen Schmerztherapiekonzeptes sein. Das bedeutet, dass der Arzt/ die Ärztin neben medikamentöser Therapie und anderen Heilmitteln auch Ergotherapie verordnet.

Die Ergotherapie kann helfen, bzw. unterstützen bei:

  • Kopfschmerzen/ Migräne
  • Gelenkschmerzen
  • Bewegungsschmerzen
  • rheumatischen Erkrankungen
  • Narben

Wir befassen uns mit der systematischen Erhebung der Krankengeschichte und der ganzheitlichen Befunderhebung. Dazu gehören die ergotherapeutische Untersuchung der Faszien und der lokalen Schmerzregionen. Beim ergotherapeutischen Therapieplan finden vorangegangene Befunde sowie die segmentalen, vegetativen und viszeralen Einflüsse Beachtung.

Wichtig ist zu betonen, dass die ergotherapeutische Behandlung bei chronischen Schmerzen die ärztliche Abklärung und Untersuchung NICHT ersetzt.


 

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